Worum geht’s?

Ende 2020 hat das Ministerium für Schule und Bildung des Landes NRW einen Entwurf für eine neue Lehramtszugangsverordnung veröffentlicht, der für uns eine große Überraschung mitgebracht hat: Der Lehramtsstudiengang Sozialwissenschaften soll umbenannt werden in „Wirtschaft-Politik“.

Die Umbenennung des Studiums ist dabei eine Fortsetzung des Plans der Landesregierung, an der Schule deutlich mehr Wirtschaft zu unterrichten – auf Kosten der Soziologie. Nach einer Änderung der Lehrpläne, bei denen gesellschaftliche Themen reduziert wurden, soll nun auch die Lehrer*innenausbildung nachhaltig und dauerhaft umgekrempelt werden.

Generell handelt es sich beim Fach Sozialwissenschaften um ein besonderes Fach, denn es ist interdisziplinär, d.h. es vereint die drei Disziplinen Ökonomie, Politik und Soziologie. Gesellschaftliche Fragestellungen werden so multiperspektivisch betrachtet. Bisher ist dabei das Verhältnis der Fachdisziplinen mehr oder weniger ausgeglichen. Nach den aktuellen Plänen sollen wirtschaftliche Inhalte ein deutliches Übergewicht bekommen.


Wieso Sozialwissenschaften ein besonderes Fach sind:


Die Debatte um die sozialwissenschaftlichen Lehramtsstudiengänge war zu Beginn durch wenige Informationen von Seiten des Bildungsministeriums geprägt. Aufgrund eines Zeitungsinterviews des Staatssekretärs Mathias Richter stand die Befürchtung im Raum, dass bisherige Sowi-Lehrer*innen ihre Fakultas verlieren würden. Mittlerweile liegt eine Klarstellung des Ministeriums vor, die den Aussagen des Staatssekretärs widerspricht. Dennoch bleiben viele Fragen offen. Unter anderem, ob in Zukunft ein Abschluss in „Wirtschaft-Politik“ nicht einem Abschluss in „Sozialwissenschaften“ bei Einstellungen vorgezogen wird.

Auch fühlten sich viele Studierenden zu Beginn nicht ernst genommen von der Landesregierung. Kritik an den Plänen für die neue LZV wurden als „Fake-News“ bezeichnet und die Debatte weggelenkt von der inhaltlichen Kritik an der Umbenennung.


Warum die Studierenden für das Sowi-Studium kämpfen:


Derzeit läuft im Landtag NRW der Anhörungsprozess in den Ausschüssen. Bisher hat sich von Seiten des Ministeriums nur wenig getan, lediglich der Studiengang für das Gymnasial- und Gesamtschullehramt soll nach den neusten Plänen den Namen „Wirtschaft-Politik/Sozialwissenschaften“ heißen.

Uns reicht das nicht. Wir wollen, dass #sowibleibt, da zu viele Fragen ungeklärt sind. Schon jetzt dominieren wirtschaftliche Anteile im Schulunterricht, und bereits jetzt lernen Studierende genügend ökonomische Inhalte, um diese später vermitteln zu können. Wir fordern deswegen, dass die neue LZV keine Umbenennung der Lehramtsstudiengänge Sozialwissenschaften vorsieht!